Oktober 2015

22.10.

Wie lange leben wir auf Erden?

Nicht für immer, nur eine kleine Spanne.

Jade zerbricht, Gold wird zerdrückt, Quetzalfedern knicken.

Nichts dauert auf Erden, alles lebt nur einen Hauch lang.

Unsere Zeit ist geliehen,

im Nu müssen wir sie hinter uns lassen.

Azteken

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Leben auf diesem Planeten ist kostbar. Das wussten die alten Völker. Viele von ihnen waren und sind deshalb zu grossen Dingen fähig… denn sie gestalten den gegenwärtigen Augenblick aus ihrer vollkommen auf sich eingestimmten Kraft heraus und bewegen dadurch, was notwendig ist. Ansonsten haben sie die Demut, dem Fluss der Dinge seinen Lauf zu lassen. Und er trägt sie… wenn sie nicht gegen ihn anschwimmen oder ihn mit einem lauten Getöse überstimmen.

Das ist auch unsere Aufgabe und sie ist drängender denn je. Dazu aber müssen wir langsam erwachsen werden, statt wie „zivilisierte“ Kinder an den Lippen jener zu hängen, die uns scheinbar jetzt sagen können, wo es lang geht – oder in den Webseiten moderner Propheten und Gurus.

Erwachsen werden heisst: ganz bei sich bleiben oder zu sich kommen, wenn man sich schon zu weit entfernt hat. Es heisst, die innere Kraft freilegen, indem man in sich hineinhört… und zwar auf jenes Wesen in uns, das es für immer gibt. Das ist das Wesen in unserem Körper, das die Ewigkeit ein- und ausatmet und mit der Weisheit verbunden ist, aus der es gekommen ist.

Viele haben innerlich jetzt aufgegeben, weil sich scheinbar nicht erfüllt, was sie wollen und worauf sie warten. Auch das ist die Haltung eines (westlich) „zivilisierten“ Kindes. Wenn es gross ist, wird alles anders und besser… Andere wiederum verharren in der Angst vor den angekündigten Katastrophen.

Erwachsene und erwachte Menschen warten auf nichts. Sie sind so präsent in sich selber, dass sie aus dieser Erfüllung heraus da sind und tun, was es zu tun gibt. Sie sind informiert und wissen, was sich gerade bewegt. Doch über allem steht ihr inneres Wissen.

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Sie brauchen deshalb auch keine Hoffnung auf irgend etwas setzen, erst recht nicht auf irgend etwas in der Zukunft. Denn hoffen heisst, nicht leben und lebendig sein. Ein erwachsener und erwachter Mensch aber ist lebendig aus sich heraus und er braucht deshalb auch seinen Willen nirgendwo durchsetzen. Er ist völlig eingestimmt auf den göttlichen Willen in sich selbst. Das ist der Geist, der durch alle Dinge weht und der nichts davon ausschliesst. Er beurteilt deshalb auch nichts oder setzt es in ein Gut-Schlecht-Raster.

Erwachsene und erwachte Menschen sind versöhnt mit den Polen von Leben und Tod und er lebt aus dem Feuer, das zwischen beiden entsteht und brennt. Es ist das Feuer, das sie trägt und sie zu Schöpfern ihres eigenen Lebens macht. Dieses Leben aber werden sie niemals dazu verschwenden, um wie Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und angstvoll darauf zu warten, bis (oder ob) sich etwas ereignet. Ihr Herz ist weit offen, und das Herz kennt keine Angst.

Erwachsene und erwachte Menschen sind ihre eigenen Meister. Und Meisterschaft erweist sich in allen Situationen als solche. Ein gutes Leben ist für sie einzig ein Leben, das sie in vollen Zügen leidenschaftlich leben, egal wie es sich ihnen präsentiert. Damit aber sind sie angekommen: hier und jetzt… und sie werden in jedem Augenblick das Richtige tun.

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Der Herbst ist die Zeit der Ernte und der Dankbarkeit für den Überfluss an Leben, den wir auf diesem Planeten erfahren dürfen. Freilich ist er durch verschiedene Umstände in grosse Schwierigkeiten geraten. Erwachsene und erwachte Menschen stehen bereit, um Lösungen zu finden – jetzt.