Die bedeutsamste Frage, die ein Mensch sich stellen kann, ist: “Wer bin ich? Was bin ich in Wirklichkeit?” Die wortlose Lehre der Urmutter (aller Kulturen) verkündet, daß jeder Mensch das Leben selbst ist, Tod, Vernichtung und Wiederauferstehung eingeschlossen. Wir sind das, was Leben/Tod in all seinen wechselnden Ausdrucksformen gebiert.
Clarissa Pinkola Estés: Die Wolfsfrau
“Stirb und Werde”, das ist die wilde innere Kraft, die sich durch alles Leben zieht. Es ist auch eine Haltung, mit der verinnerlicht wurde, was es heisst: Loslassen, wenn nötig und Neuwerden, wenn die Zeit dafür reif ist. Wird ein Kind geboren, ist Freude da… ungeachtet der Tatsache, dass die Menschwerdung für die Seele einen unglaublichen Wandlungsprozess bedeutet sowie das Loslassen einer Ebene, auf der sie viel freier und wissender war, als sie nun sein wird. Freilich vorausgesetzt, sie hat sich ihre Urkraft im “Rad des Karma” einigermassen bewahrt.
Schickt sich dieselbe Seele an, diese Welt wieder zu verlassen, die nun schon seit Jahrtausenden in den Händen von lebensfeindlichen und kriegerischen Kräften ist, dann brechen wir in Trauer aus, statt ihr durch freudvolles und liebevolles Tun den Übergang zu erleichtern und glücklich zu sein, dass sie mit diesem Sterbeprozess wieder in ihre Seelenheimat hineingeboren wird.
Momentan klammert sich der Grossteil der Menschheit an eine Wesenheit, die man als “technokratischen Gott” bezeichnen könnte und die sich nun immer mehr über sie erhebt, um … Nun, das kann nur erahnt werden. Damit aber ist bereits das Ablenkungsmanöver vom “Stirb-und-Werde”-Prozess gelungen, mit dem der moderne Mensch sowieso kaum mehr etwas anfangen konnte. Wir werden deshalb fortan von einer Technologie gesteuert, die “tot” macht und eigentlich das Menschsein in uns abtötet. Eine Zombie-Existenz, die weltweit am heutigen Tag auch kräftig und (für ein paar wenige) gewinnbringend halloween-mässig gefeiert wird.
Das freilich ist weit entfernt von jenem “Stirb-und-Werde”-Prozess, der immer schon ein grundlegender Teil des Lebens in einem menschlichen Körper ist. Johann Wolfgang von Goethe drückt diese tiefe Einsicht so aus:
Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebendge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.
[…]
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Die Masse der Menschen wird sich über die fundamentalen Zusammenhänge des Lebens nur lustig machen, meint der Dichter. Oder wie Jesus es ausgedrückt hat: “Werft die Perlen nicht vor die Schweine”. Nur wer aufgrund des Verinnerlichens dieses “Stirb-und-Werde” weise geworden ist, wird verstehen, sein Licht ausstrahlen und das verwirklichen, was er als Seelenwesen mitgebracht hat.
Die meisten Menschen bleiben jedoch diesem natürlichen Prozess der laufenden Verwandlung – dem Stirb und Werde, der Transformation von der Raupe zum Schmetterling – fern, weil sie mit Ablenkung und Bequemlichkeit das Feuer ihres Herzens (beinahe) gelöscht haben.
Unser Feuer am Brennen halten und das tatsächliche Potential freilegen: Das wird unendlich viel mächtiger sein, als dieser vorgetäuschte Fortschritt durch eine Technologie, deren Weg in jenen Abgrund führt, aus dem sie selber kommt. Der Preis dafür ist der Verkauf unserer Seelen – im wahrsten Sinne des Wortes und bereits überall sichtbar. Es ist die finale Falle, die für uns aufgestellt worden ist.
Was sie KI nennen, ist wie ein saugendes Monster, und es frisst dabei in jeder Hinsicht unsere Energie auf. Durch bewusste Entscheidungen können wir uns dem jedoch entziehen, immer wieder. Ansonsten werden wir hineingezogen. Da gibt es dann kein “Doch nur ein bisschen KI”, genauso wenig wie man nur “ein bisschen schwanger oder tot” sein kann. Dieses Hineingezogen-Werden ist dann auf lange Zeit endgültig, wie z.B. auch die neuen Impfungen, die bald schon vorgeschriebene e-ID, usw.
Wieder einmal wird also die Menschheit getäuscht und manipuliert, damit sie auf keinen Fall das tut, was ihre eigentliche Aufgabe hier wäre, nämlich das innere Feuer aktivieren und am Brennen halten. Dann freilich wird der sogenannte Tod tatsächlich zu einem Ende, das Angst macht… weil die Perspektive auf das Wesentliche abhanden gekommen ist. Es ist das Ende der Menschlichkeit und des ewig sich fortsetzenden Lebens.
Wir sind auf diesem Weg schon recht weit fortgeschritten. Unser gesamtes Lebensfeld ist mittlerweile von schädigender Strahlung, von Kriegsgeschrei aller Art sowie von chemischen, ethischen und gedanklichen Giften durchsetzt. Das ist zu akzeptieren. Die beste Art damit umzugehen wäre allerdings, dass wir all das als Sprungbrett nutzen… durch das Beenden unserer Bequemlichkeit und ein beherztes Springen ins Unbekannte – wobei unsere Seele natürlich genau weiss, was jeweils zu tun und damit not-wendend wäre. Doch wer hört schon auf sie, wenn er mit Maschinen spricht?
Sobald wir wirklich auf unser Herz hören, werden wir Abstand halten von den angebotenen Verführungen dieser “Endzeit”. Wir befinden uns nun in den finalen Jahren jener Epoche, in der wir an der Oberfläche gewandelt sind, weil wir zu leben vergessen haben. Die dadurch entstandenen enormen Löcher haben wir dann sosehr mit Materie vollgestopft, dass wir rundherum geschützt waren vor Tod, Unannehmlichkeit und Vergänglichkeit. So zumindest wurde es uns vorgegaukelt.
Jetzt bietet man uns den transhumanen Menschen an, mit dem das lebendige Leben dann endgültig endet. Und weil den Erbauern dieser künstlichen Welt, den Technokratie-Göttern, die Zeit dafür davon-läuft und die Energien bereits schwinden, schalten sie jetzt in allem auf Turbo. Nehmen wir uns also in acht, indem wir uns immer wieder verlangsamen und uns aus dem herausnehmen, was uns verstört, verblendet und ablenkt… denn in Wirklichkeit sind wir bereits weit fortgeschritten im grossen Wandlungsprozess, der uns aus der Welt, wie wir sie kennen, herausführen wird. Und wir sind viele!
Wir alle wissen, wie man zu sich selbst zurückfindet. Egal, wie weit wir uns von uns selbst entfernt haben, wir kennen den Rückweg. Die Heimat ist der Urgrund, der Platz, von dem alle Gedanken und Gefühle ausgehen und in den sie zurücksinken, indem sie sich auflösen, um von neuem zu entstehen. Der Urgrund ist der interne Ort, an dem [man] sich ganz fühlt, ganz und gar ungeteilt, von keinem Gedanken und Gefühl zerrissen oder abgelenkt. Für viele macht sich die Heimat durch einen Seinszustand bemerkbar, in dem sie sich frei fühlen, frei von Sorgen, frei von drängenden Forderungen, frei von dem konstanten Getöse der Innen- und Außenwelt. In diesem simplen Sein herrscht Friede, aber es enthält auch Visionen, Einsichten und andere Schätze, die später, bei der Rückkehr in die Oberwelt, von der Psyche benutzt werden können.
Wenn eine Raupe sich transformiert zu einem Schmetterling, stirbt ihr Körper. Wobei es in Wirklichkeit eine Verwandlung ist, genauso wie es jener Prozess sein könnte, den wir Sterben und Tod nennen. Das gesamte Potential der Raupe tritt in das ein, was Goethe weiter oben den “Flammentod” nennt, in dem sie sich dem “Feuer der göttlichen Verwandlung” übergibt, um zu jenem strahlenden Wesen zu werden, das ihre Bestimmung ist.
Sterben ist deshalb der Mut zur eigenen Verwandlung in etwas, das unendlich viel mehr ist, als wir es mit unserem Verstand jemals erfassen können. Es ist die Hingabe an den Verbrennungsprozess, um sich dann mit leichten Flügeln aus der Asche zu erheben, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Wir können es tagtäglich neu üben und in allem, was rundherum geschieht, betrachten.
- Wir lassen zum Beispiel den Tag hinter uns, gehen hinein in die Nacht (das ist der Stirb-Schritt: wir sterben dem Tag), um am nächsten Tag neu zu werden. Ohne dass wir wirklich wissen, was er bringen wird, beginnen wir den Morgen mit neuer Aktivität, mit Plänen, mit neuer Kraft, …
- Genauso lassen wir das aktive Jahr hinter uns, gehen über den Herbst in den Winter hinein und (sollten) ruhen, um im Frühling mit der Natur wieder aktiv zu werden.
- So bewegen wir uns auch durch bestimmte Lebensabschnitte, nachdem wir geboren wurden: die Kinderzeit hat irgendwann ein Ende und “stirbt”, genauso wie die Jugend, das Erwachsenen-Alter… Später stehen wir dann im Herbst und im Winter des Lebens und lassen diese Existenz wieder hinter uns.
- Und wie auf unserem Planeten, so ist es in allen Bereichen des Kosmos: Epochen und Zyklen vergehen, Planeten und Sterne entstehen und sterben, Galaxien und ganze Universen kommen und gehen, …
Wer also Augen hat zu sehen und Ohren, um zu hören, wird in allem den “Stirb-und-Werde”-Rhythmus als Fundament des Lebens erkennen können. Und die einzige Konstante in diesem Auf und Ab, in diesem Kommen und Gehen, in diesem Werden und Sterben… ist die ständige Verwandlung und Transformation von einem (Zustand) zum nächsten.
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